Danke an alle Gäste, Spender und Teilnehmer am Missionsessen. Ihr Beitrag kommt sicher in unserem Projekt an und wird für die Ernährung, Kleidung, gesundheitliche Versorgung und pädagogische Foerderung der über 80 Kinder in unserer Einrichtung dankbar eingesetzt. Ein herzliches Dankeschön für diese hilfreiche Unterstützung von allen Kindern, Schwestern und mir.
Samstag, 17. April 2010
Leckeres Essen zu einem fairen Preis für Kinder in Peru, die oft hungern müssen
Danke an alle Gäste, Spender und Teilnehmer am Missionsessen. Ihr Beitrag kommt sicher in unserem Projekt an und wird für die Ernährung, Kleidung, gesundheitliche Versorgung und pädagogische Foerderung der über 80 Kinder in unserer Einrichtung dankbar eingesetzt. Ein herzliches Dankeschön für diese hilfreiche Unterstützung von allen Kindern, Schwestern und mir.
Missionsessen zugunsten der Albergue Uñacha
Samstag, 10. April 2010
Das Müllproblem

"Jetzt hebt ihr bitte die Fetzen von euren Wasserbomben auf!". Lachend fragten mich die Kinder erstaunt: "Warum?". "Weil es Müll ist, der unseren Boden, die Pflanzen und die Luft zerstört", erkläre ich geduldig. "Aber hier liegt doch schon soviel Müll! Wo sollen wir die Plastikfetzen denn hinwerfen?" Das nächste Problem: Es gibt kaum öffentliche Mülleimer. Hier schmeißt jeder seinen Müll auf die Straße, in den Fluss oder im günstigsten Fall auf die öffentliche Müllkippe - natürlich unsortiert. Auf diesem Stein- und Plastikhaufen können aber nicht mal Maiskolben oder Kartoffelschalen verrotten.
Die Albergue erscheint dagegen wie eine andere Welt: Es gibt Toiletten, Mülleimer, meistens fließendes, sauberes Wasser und Menschen, die sich um die Sauberkeit ihres Geländes sorgen. Nicht nur, dass wir uns und unsere Räume jeden Tag mit Seife putzen und unsere Lebensmittel nicht im Tierstall lagern. Außerdem gibt es zwei Gruppen von Kindern, deren Aufgabe es jeden Morgen ist, sämtlichen Müll bis auf den kleinsten Papierschnipsel aus der Gartenanlage und den Wegen zu sammeln.
Vor zwei Monaten haben wir den Komposthaufen auf dem Gelände der Gewächshäuser eröffnet. In die Küchen wurde je ein zweiter Mülleimer für organische Abfälle gestellt. Damit begann eine lange Phase des geduldigen Erklärens und Einübens der Mülltrennung: "Nein, bedrucktes Papier gehören nicht in den Eimer für organische Abfälle, weil die Farb- und Bleichstoffe die gute Erde verseuchten, die wir aus dem Kompost gewinnen können." "Der Kompostmüll sollte auch nicht in Plastikmülltüten gesammelt werden, weil sich durch den einsetzenden Zersetzungsprozess giftige Plastikpigmente lösen können und die Tüten auch nach Jahren noch nicht verrotten."
Am Mittwoch nach der Hausaufgabenbetreuung habe ich mit einigen Kindern in einer Unterrichtsphase Mülltrennung thematisiert. In Kleingruppen konnten sie den kleinen Müllberg, den ich ihnen hinlegte, problemlos in drei Gruppen sortieren, ohne dass wir diese vorher besprochen hätten! Danach benannten sie die Gruppen einstimmig und ordneten relevante Müllteile den einzelnen Kategorien zu. Mit Freude und Mühe erstellten sie Plakate zu jedem Mülltyp, die wir in ihre Küche über die beschrifteten Mülleimer hängten.
Gestern haben einige Kinder Landschaftsbilder gemalt, mit einem Fluss ohne Müll – haben sie extra betont.
Donnerstag, 8. April 2010
Deutsche und peruanische Osterrituale oder wie man Müll verwertet…



In dieser Karwoche fand kein Unterricht in den Schulen statt. Die Jungs haben morgens auf dem Feld und in den Gewächshäusern gearbeitet, die Mädchen hatten verschiedene Putz- und Kocharbeiten. Ich habe morgens mit den jüngeren Kindern Bücher gelesen, gezählt, gespielt etc. Nachmittags habe ich mit allen Kindern jeden Tag anderen Müll kreativ in Schmuck verwandelt bevor wir zur Messe gingen. Montags begannen wir mit Osterhasen aus Klopapierrollen: eine Rolle stellte den Körper dar, die andere schnitten wir auf, um daraus Ohren und Pfoten zu machen. Einige Kreative haben auch Schmetterlinge, Katzen, Bären etc. aus dem Papiermüll gezaubert. Dienstags haben wir Eierkartons verwertet. Hast du dir so einen Eierkarton mal von oben angeschaut? Wie viele Blumen findest du? Und wie viele sind es erst in einer 30er Palette? Die Kinder haben also wild Blüten in den Eierkartons gesucht, nachgezeichnet und ausgeschnitten. Danach haben sie sich draußen einen Ast gesucht, der den Stil der Tulpe darstellte. Fruchtknoten, Stempel und Fruchtblätter wurden aus einer Lage eines Blattes doppellagigen Klopapiers geformt und am Stil befestigt. Der kleine Rest Eierkarton zwischen zwei Blüten eignet sich wunderbar als Blatt.
Am Mittwoch haben wir Ostereier mit Wasserfarben bemalt. Für Manche war das die erste Chance, sich mit Pinsel und Farbe auszuprobieren. Sie zeigten sich aber begabt. Kaum einer kannte die Tradition zu Ostern ein gekochtes Ei zu bemalen, obwohl mir eine Lehrerin aus Cusco bestätigte, dass es dieses Ritual auch hier gebe. Am Gründonnerstag gibt es hier in Peru das Ritual zu Mittag zwölf Gänge zu essen. Dank einiger großzügiger Spenden konnten die Kinder der Albergue erstmalig auch an diesem Festmahl teilnehmen, das sie natürlich selbst mitzubereiteten. Unter anderem aus den ersten Radieschen ihres Gewächshauses!
Am Ostersonntag habe ich die bunten Eier im Garten der Albergue versteckt und jedes Kind hat sein Ei begeistert gesucht. Wer schon mittwochs meinte, sein so sorgfältig bemaltes Ei am Sonntag nicht essen zu wollen, konnte sich vielleicht etwas trösten, indem er oder sie ein Pappei als Fensterbild bastelte. Auch hierzu verwendeten wir alte Pappkartonreste.
Nasen und Masken aus Eierkartons haben die Kinder am Ostermontag gebastelt. Stolz erschreckten sie andere oder brachten sie zum Lachen.
Samstag, 27. März 2010
"İBuenos dias compañeros!"

Ich gebe ab diesem Montag jeden Tag die erste Stunde Unterricht in der einen Grundschule hier. (Mehr Zeit habe ich nicht, weil ich danach die Speisen für den Kiosk-Verkauf vorbereiten muss.) Es sind immer zwei Jahrgänge in einem Raum untergebracht und werden von einer Lehrperson gemeinsam unterrichtet. Montags gebe ich mit Mathematikunterricht in der ersten und zweiten Klasse, dienstags und mittwochs Ästhetische Erziehung (Kunst, Musik, Theater) in der dritten und vierten Klasse, donnerstags in der fünften und sechsten Klasse abwechselnd Englisch und Mathematik und freitags gebe ich Religionsunterricht in der ersten und zweiten Klasse. Der Unterricht macht Spaß und ist leichter als in Deutschland, obwohl es wesentlich mehr Kinder pro Lerngruppe (ca. 40) sind. Sie sind einfach disziplinierter und wundern sich immer, wenn ich von ihnen verlange sich zu bewegen. Auch der Stuhlkreis heute Morgen hat großes Staunen hervorgerufen. Diesen Freitag vor Ostern habe ich im Religionsunterricht wie Jesus am letzten Abendmahl den Kindern die Füße gewaschen und wir haben ein Brötchen und ein Glas Saft geteilt. Es war das erste Mal, dass ich bei diesem Thema nicht erklären musste, warum Jesus die Füße und nicht die Hände seiner Jünger wusch. Mit ihren Ojota-Sandalen und ihrer armen Lebensweise sind die Kinder den Jüngern Jesu näher als wir – das zeigte auch das Wasser. Die Kinder, von denen nur sehr wenige Castellaño sprechen, haben am eigenen Körper erfahren, geschmeckt und gefühlt, wie dieses besondere Abendmahl war. Außerdem konnten viele die verwendeten Elemente wie Brot, Wein oder Wasser und die erfahrenen Handlungen benennen bzw. das neue Vokabular mit realen Gegenständen verknüpfen. Ich bin gespannt, was sie davon wie zeichnen, wenn sie ihre Hausaufgabe nächste Woche zeigen!
Jeden Morgen stellen sich alle Kinder der Schule in gleichgeschlechtlichen Reihen nach Klassenstufen geordnet auf und folgen den Armee-Befehlen der Direktorin bzw. eines Lehrers. Nach dem ein Schüler die Lehrer und seine Mitschüler begrüßt hat, ein andere den Tag und das Datum vortrug und das Morgengebet im Chor gesprochen wurde, folgt ein kurzer Vortrag des leitenden Lehrers organisatorischer oder kultureller Thematik (falls es ein Feier- oder Gedenktag ist). Hier in Peru gibt es zu vielen Ereignissen oder kulturell bedeutsamen Werten Gedenktage. Auch ich werde einmal im Monat eine solche Thematik vorbereiten. Anschließend tragen freiwillige Schüler und Schülerinnen Gedichte, Geschichten, Lieder, Scherzfragen oder Aufgaben vor. Zum Schluss dieser Morgenversammlung gehen die Kinder nacheinander in ihren Klassenraum, nachdem sie ihre Nummer gerufen haben. So zählen sie sich selbst und auch die Lehrer können schon ihre Anwesenheit erfassen. Montags morgens wird zum Wochenbeginn die peruanische Flagge gehisst und die Hymne gesungen. Eine solche morgendliche Zusammenkunft aller Schüler, mit der Möglichkeit Erlerntes zu präsentieren und dafür mit Applaus und Anerkennung belohnt zu werden, finde ich ein tolles Ritual, das den Kindern ermöglicht, den Schultag gemeinsam zu beginnen. In kleiner Form als Morgenkreis kenne ich das leider aber nur vereinzelt aus Deutschland.
Am Freitagnachmittag habe ich fuer einige Kinder der Albergue die Elternversammlung dieser Grundschule besucht. Die Eltern wurden fuer 13 Uhr bestellt; um 13:30 Uhr sassen wir schliesslich slle in einem Klassenraum und lauschten der Begruessung der Direktorin. Sie hatte die Tagesordnung an die Tafel geschrieben. Sie erlaeuterte erst zweisprachig einige organisatorische regelungen – wie zum Beispiel die Trennung der dritten und vierten Klasse aufgrund der grossen Schuelerzahl. Anschliessend kam ihr Kollege zu Wort. Einleitend forderte er die Eltern freundlich aber deutlich auf, gemeinsam mit der Schule und ihren Kindern an einigen Problemen zu arbeiten, die ihre Bildungschancen und ihre Lebensbedingungen einschraenken. Es sei allerdings sehr wichtig, an dieser Stelle nicht alle Probleme zu sammeln und zu diskutieren, weil ihre gelichzeitig Loesung unmoeglich waere. Um produktiv etwas zu veraendern, sollten sie sich auf drei zentrale Probleme konzentrieren. An erste Stelle setzte er die mangelnde Lesefaehigkeit, die mit der Bilingualitaet ihrer Kinder und des immernoch weit verbreiteteten Analphabetismusses verbunden sei. Er erklaerte verstaendlich die Konsequenzen dieser fehlenden Schriftsprachlichkeit und erlaeuterte konkret einfache Ansaetze zur Verbesserung. Auch er sprach mehr auf Quechua als auf Castellaño. Sein zweites Problem stellt die Umweltverschmutzung dar, dessen gesundheitliche Konsequenzen jeder spueren koenne, weil sie die kontaminierte Erde mit der Nahrung und der Luft taeglich in ihre Koerper aufnaehmen. Klar und eingaenig forderte er zur verantwortlichen Muelltrennung auf. Schliesslich sprach der den inkonsequenten Umgang mit sozialen und paedagogischen Werten an, der sich negativ auf die Persoenlichkeitsentwicklung ihrer Kinder auswirke. Waehrend seiner Rede und auch anschliessend bei der konstruktiven Diskussion, wie es moeglich sei mit sehr geringem Budget das Schulgebaeude mit der Hilfe aller zu reparieren, wurde jeder Vater und jede Mutter in der ihm moeglichen Sprache angehoert. Mit einem konkreten Zeitplan, wann welche Baustelle wie angegangen werde, verliess ich nach drei einhalb Stunden etwas erschoepft aber beeindruckt den Klassenraum.
„Darf ich heute vorlesen?“

Seit einem Monat lesen wir jeden Abend ein Kapitel vor dem Einschlafen. Alle Jungs liegen gewaschen und mit geputzten Zähnen in ihrem Bett und lauschen einer Geschichte, die einer von ihnen vorliest. Am ersten Abend laß ich vor. Schon am zweiten Abend fragte mich ein Junge, ob er nicht heute lesen dürfe. Erfreut gab ich ihm das Buch. Er las mit lauter Stimme und Betonung vor und bald hörten ihm auch die unruhigsten gespannt zu. Mittlerweile liest jeden Abend ein anderer abwechselnd. Stolz halten sie das Buch in der Hand und bemühen sich klar und betont zu lesen. Auch jüngere Leser trauen sich und erhalten am Schluss anerkennenden Applaus. Zwischendurch laufe ich mit dem Buch durch die Bettreihen und zeige allen die Zeichnungen zur Geschichte, was auch den jungen Castellaño-Lernern ermöglicht, zumindest die zentrale Handlung zu verstehen. Die Jungs genießen diese Zeit, in der sie ruhig werden und in die Welt des Buches eintauchen. Wenige lesen auch ihr eigenes Buch oder Heft oder schlafen ein, wenn sie zu müde zum Zuhören sind. Letzten Sonntag haben wir nachmittags den Film Robin Hood angeschaut, nachdem wir das entsprechende Buch beendet hatten. Diese Woche haben wir mit dem Buch „Moby Dick“ begonnen.
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